Woche der Einheit: Die Partitur ist im Himmel geschrieben

von Anita Francioli | 22.01.2010

60 Verantwortliche von 36 katholischen und evangelischen Bewegungen und Kommunitäten begegnen und lernen sich tiefer kennen, teilen den Glauben und beten gemeinsam in Montmirail (NE).

Es bewegt und regt sich etwas, wenn sich Christen aus den unterschiedlichsten Kommunitäten und Bewegungen in einem Geist der Offenheit und der gegenseitigen Wertschätzung begegnen; wenn sie sich Zeit nehmen zu hören, wie andere den Glauben leben; wenn sie gemeinsam das Wort Gottes teilen; wenn sie mit unterschiedlichen Stimmen Gott für die bereits erfahrbare Einheit danken und ihn mit ihnen fremden Melodien loben. Dies alles geschah am 18./19. Januar bereits zum dritten Mal in Montmirail (NE). Die Zahl der teilnehmenden Verantwortlichen aus verschiedenen christlichen Bewegungen und Gemeinschaften ist in diesen Jahren von 20 auf 60 gewachsen. Sicher fand diese Begegnung nicht per Zufall in der Gebetswoche für die Einheit der Christen statt, denn hier wächst Einheit von der Basis her und verwandelt Vorurteile und Fremdheit in Verständnis und Freundschaft.

Auf dem Programm standen keine langen Referate, den Schwerpunkt bildeten vielmehr Gruppengespräche in unterschiedlichen Zusammensetzungen und mit verschiedenen Themenstellungen sowie gemeinsames Gebet. Ein von der Spurgruppe als Trägerin dieses ökumenischen Prozesses mit dem Namen „Miteinander auf dem Weg“ ausgearbeitetes Verständnispapier – das festhält, wie das Miteinander der Bewegungen verstanden wird - wurde diskutiert und wird nun aufgrund der Rückmeldungen neu überarbeitet. Ein zweites Mal waren die unterschiedlichen Charismen und Formen der Spiritualität in den verschiedenen Gemeinschaften das Thema, eine drittes Mal wurde über das Engagement in Diakonie, Spiritualität und Zeugnis ausgetauscht.

Horizonterweiterung

Benedikt Walker, Leiter der VBG und Mitglied der Spurgruppe, wertet allein die Tatsache, dass ohne jegliche Werbung 60 Personen mit SchlĂĽsselfunktionen in schweizweiten Verbänden, Netzwerken und Bewegungen oder ganz einfach Vertreter einer Kommunität sich von Verpflichtungen frei schaufeln und einfach Zeit fĂĽreinander haben, als ein Zeichen dafĂĽr, dass der Geist Gottes zu einem neuen Aufbruch ruft. Persönlich erfährt er die Besuche bei katholischen Bewegungen – die Spurgruppe trifft sich etwa 4 Mal im Jahr und ist jeweils Gast einer anderen Gemeinschaft - als Horizonterweiterung. Durch die Schönstatt-Bewegung hätte er z.B. Maria entdeckt und durch die Fokolare hätte er gelernt, den Menschen in einer bedingungslosen Haltung der Liebe zu begegnen, ohne zuerst ihre Fehler und Mängel zu sehen. Dies sei eine Bereicherung fĂĽr ihn, durch die er die Grösse Gottes erahnen lerne. 
Während dieser Jahre sei nicht nur die Zahl der Mitbeteiligten, sondern vor allem eine grössere Vertrautheit gewachsen, meint Pater Edwin Germann von der Schönstatt-Bewegung. Man mĂĽsse sich weniger verteidigen oder erklären und kehre gestärkt und inspiriert in sein eigenes Wirkungsfeld zurĂĽck, um den Dienst an der Ausbreitung des Reiches Gottes wahrzunehmen.

Zeugnis fĂĽr die Welt

In ihrem Schlusswort bezog sich Clara Squarzon von der Fokolar-Bewegung auf eine Aussage von Chiara Lubich bei der ersten Begegnung dieser Art vom 31.10.1999 in Ottmaring (Deutschland). Die inzwischen verstorbene GrĂĽnderin der Fokolare hat das internationale „Miteianander fĂĽr Europa“, als dessen Teil sich die Begegnungen in der Schweiz verstehen, entscheidend angeregt und mitgestaltet. Sie sagte damals: „Die Partitur unseres Miteinanders steht im Himmel geschrieben. Im gemeinsamen Hören auf den Heiligen Geist werden wir die weitere Schritte verstehen“. Seit damals ist vieles in Bewegung gekommen. Die Anwesenden sind ĂĽberzeugt, dass weitere Schritte folgen, denn ihr Ziel und ihre Sehnsucht ist es, dass die gelebte Gemeinschaft unter selbständigen christlichen Bewegungen und Kommunitäten mit den unterschiedlichsten Charismen und Strukturen zu einem immer stärkeren Zeugnis der Einheit fĂĽr die Welt wird.  
 

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