Die VBG als evangelistische Bewegung

von Benedikt Walker | 15.11.2010

Der folgende Beitrag fasst die Ausführungen von VBG-Leiter Dr. Benedikt Walker am VBG-Tag 2010 zusammen und erläutert das Verständnis der VBG von Evangelisation.

Die VBG hat den Auftrag, Gott, Jesus und die Bibel in der akademischen Welt zum Thema zu machen. Sie möchte Menschen zu einer Beziehung mit Jesus Christus einladen. Mit drei Bildern werde ich illustrieren, wie die VBG diesen Auftrag erfüllen will.

Das erste Bild: BrĂĽcken bauen

Eine BrĂĽcke verbindet zwei Orte, welche nicht oder nur sehr schwierig gegenseitig erreichbar sind, weil sie zum Beispiel durch eine tiefe Schlucht und fliessendes Wasser voneinander getrennt sind.

Wenn die BrĂĽcke gebaut wird, geschieht das gleichzeitig von beiden Seiten her. Die VBG baut BrĂĽcken, indem sich ihre Mitarbeitenden und Freiwilligen in Liebe auf die Welt der Zeitgenossen einlassen und ihnen dann die eigene Welt des Glaubens und der Bibel bekannt machen. VBGler bleiben also nicht am Rand stehen, sondern lassen sich auf das GegenĂĽber ein.

Mit dem Bild eines Fischteichs illustriert: Wenn ich den Fisch in einem Teich gewinnen will, angle ich nicht nach ihm, sondern studiere die Wassertemperatur und die Qualität und tauche selber – als Fisch – ein. Wir sind «dem Juden ein Jude und dem Griechen ein Grieche», wie es Paulus sagte. Übersetzt für die VBG bedeutet es: dem Studenten ein Student, dem Schüler ein Schüler, der Lehrerin eine Lehrerin, dem Ingenieur ein Ingenieur, der Juristin eine Juristin werden.

Die VBG baut keine fromme Parallelgesellschaft auf. Vielmehr wollen wir als VBG-Mitarbeitende die Nöte der Welt kennen lernen und uns für die Betroffenen engagieren – als ein Ausdruck der Nächstenliebe und der Wertschätzung. Dieser Einsatz aus Nächstenliebe geschieht zweckfrei und fordert keine Gegenleistung – auch keine Bekehrung. Es geht um unsere Glaubwürdigkeit: Wenn wir vom Gott der Liebe reden, stellen wir keine Forderungen und Bedingungen.

Die Studierendenarbeit organisiert einen Erstsemestrigen-Abend mit Tutoraten in verschiedenen Fachrichtungen. Sie will damit den neuen Studierenden den Einstieg in die neue Welt des Studiums erleichtern. Internationalen Studierenden bietet die ISA Hilfe an, damit sie sich im Dschungel der Behörden und Ämter zurechtfinden.

Brücken können auch mit Nachbarschaftshilfe oder Spenden an Bedürftige gebaut werden. Welches ist mein diakonischer Beitrag für mein Umfeld und die Welt? Was kann ich selbst tun oder meine VBG-Gruppe, meine Gemeinde? Als Schweizer leben wir finanziell sehr gut. Wie teilen wir unser Geld mit Menschen, die es dringend benötigen? Die VBG finanziert zum Beispiel IFES-Mitarbeitende1 in finanzschwachen Ländern.

Das zweite Bild: Steine aus dem Weg räumen

Nach einem Steinschlag oder einem Murgang kann es schwierig sein, den Weg noch zu begehen. Möglicherweise ist er kaum mehr zu finden. Um ihn zu Fuss oder mit einem Fahrzeug zu passieren, müssen wir erst die Steine aus dem Weg räumen.

Manchmal gleicht die Sinnsuche unserer Mitmenschen einer Strasse nach einem Steinschlag. Ihr Zugang zu Gott, dem Schöpfer, und Jesus Christus als Retter ist verschüttet: Durch Vorurteile, schlechte Erfahrungen mit Christen oder Verletzungen. Die VBG möchte diese Hindernisse aus dem Weg räumen, um den Mitmenschen den Zugang zu Gott und Jesus zu öffnen.

Die VBG baut auch Denkblockaden ab, indem sie unkonventionelle Wege geht und Jesus immer wieder zum Thema macht. Sie nimmt die kritischen Fragen an die Bibel und den christlichen Glauben, aber auch die Ă„ngste in der Gesellschaft ernst und geht darauf ein.

Eine häufig vorkommende Blockade ist die scheinbare Unvereinbarkeit von Glauben und Denken: Für viele ist der Glaube an Gott ein Widerspruch zu den Erkenntnissen und Fakten in Wissenschaft und Forschung. Sie fragen sich, wie man zum Beispiel ein naturwissenschaftliches Studium mit dem christlichen Glauben vereinbaren kann.

Wir lassen uns ein auf den Dialog und helfen Suchenden, ihre Blockaden abzubauen. Wir sind dabei bereit, auch unsere eigenen Grundsätze im Gespräch hinterfragen zu lassen.

Für die VBG sind im akademischen Umfeld die Themenfelder Glauben und Denken, Apologetik und Weltanschauung zentral. Damit ermöglichen wir Menschen, das Christsein in alle Bereiche ihres Lebens zu integrieren. In der Apologetik beschäftigen wir uns intensiv mit der Bibel und ihrer Glaubwürdigkeit. Wenn wir uns mit Weltanschauungen beschäftigen, können wir andere besser verstehen und vorhandene Denkblockaden abbauen. Nicht als Selbstzweck, sondern um sie auf Jesus Christus und Gott den Schöpfer hinzuweisen.

In der VBG werden diese Themenfelder mit verschiedenen Angeboten bearbeitet: in Diskussionsgruppen, Podiumsdiskussionen oder in Zweiergesprächen. Wir halten und organisieren Referate, machen Umfragen, bearbeiten und verbreiten gute Literatur.

Um «Steine aus dem Weg zu räumen», verbringen wir Zeit mit Freunden und Studien- oder Arbeitskollegen, damit wir ihre Lebens- und Glaubensfragen kennen lernen. Wir wollen uns dafür genügend Zeit nehmen und diese nicht schon mit unseren «christlichen Aktivitäten» füllen.

Es ist wichtig, dass wir als Personen über unseren Glauben sprechen können. Warum glaube ich an Gott? Wie lebe ich meinen Glauben? Welchen Unterschied macht es in meinem Leben, dass ich an Gott glaube? Wir müssen lernen und üben, über Jesus Christus zu reden. Für unsere Mitmenschen sollen wir lesbar und verständlich werden, so dass sie etwas von Jesus in uns erkennen. Dabei sind VBG-Gruppen ein optimales Trainingsfeld!

Das dritte Bild: Ein Brunnen

In einem Brunnen fliesst das Wasser ständig nach. Es ist frisch und sauber. Ein solcher Brunnen gleicht der erfrischenden Quelle in einer Oase, bei der man auftanken kann.

Die VBG soll ein Brunnen sein, der jedem zur Verfügung steht. Die VBG weist auf Gott und Jesus Christus hin. Sie lädt Menschen ein, eine Glaubensbeziehung einzugehen, nötigt aber niemanden dazu. Viele sind durstig nach dem lebendigen Wasser und haben eine Sehnsucht nach Gott in sich. Es ist unsere Aufgabe, Trinkstellen einzurichten, damit diese Menschen ihren Durst löschen können.

Das Reden über den Glauben allein löscht den Durst nicht. Die VBG lebt daher Spiritualität, zum Beispiel in Gottesdiensten, Stille-Kursen oder in einer Spiritualitätsgruppe, die sich jeden Monat trifft. Auch in der geistlichen Begleitung kann der Durst gestillt werden.

Durch die Kontextualisierung der Bibel, das heisst, in dem wir die Bibel in die Lebenswirklichkeit der Menschen hineinsetzen, verschaffen wir ihnen Zugang zum «lebendigen Wasser». Durch gemeinsames Bibellesen wecken wir die Freude an der Bibel und laden andere dazu ein. Offene Gottesdienste gehen auf die Fragen von Mitmenschen ein und schaffen Raum, spirituelle Erfahrungen zu machen. Gelebte Gemeinschaft, zum Beispiel in einer Wohngemeinschaft, einem Kurs oder an einem geselligen Anlass, ermöglicht das offene Gespräch.

Wir wissen, dass sich Gott den Menschen offenbart. Das hängt weder von unserer eigenen Leistung noch von derjenigen der Menschen ab, die innerlich von weit her zu uns kommen. Die Aufgabe der VBG ist es, Gefässe mit einer gelebten Spiritualität zu pflegen. Diese sollen selber genutzt – und andern angeboten werden. Wir alle sind beauftragt, für die Mitmenschen zu beten, dass sie Jesus kennen lernen.

Das Ziel aller Aktivitäten der VBG als evangelistische Organisation ist es, auf Gott den Schöpfer hinzuweisen und Gott gemeinsam zu verherrlichen.

 

Zuerst erschienen in BST 4/2010

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